Bedeutung der Verschlüsselung

Das Gebiet der Kryptographie war Jahrhunderte lang eine Domäne des geheimen Wesens, sei es der Nachrichtendienste, der geheimen Diplomatie, der militärischen Aufklärung oder der Gegenaufklärung. Angesichts des sich mit dem informationstechnischen Fortschritt auf alle Bereiche ausbreitenden Bedürfnisses, große Datenmengen über Datennetze zu übertragen, ist die Kryptographie stark in den Vordergrund des Interesses getreten. Mit der allgemeinen Verfügbarkeit kryptographischer Verfahren ist weltweit eine rechtspolitische Diskussion zur Regulierung kryptographischer Verfahren entstanden, die dabei ist, gesellschaftspolitische Dimension anzunehmen. Ein Vergleich zum “großen Lauschangriff” drängt sich auf. Manche vorgeschlagenen Regelungen gehen über diesen aber weit hinaus. So steht unter anderem der Vorschlag im Raum, nur bestimmte Typen von Kryptographieprogrammen zuzulassen, nämlich diese, die von den dazu ermächtigten staatlichen Stellen mit vertretbarem Aufwand zu entschlüsseln sind. Will man diese Vorschrift generell, also nicht nur im Einzelfall überwachen, müßte jede Kommunikation elektronisch auf deren Entschlüsselbarkeit geprüft werden. Ein Überwachungsstaat unvorstellbaren Ausmaßes wäre die Folge.
Die Nutzung von Electronic Mail hat eine immense Größenordnung erreicht. Schon jetzt übersteigt in den USA die Anzahl der versandten E-Mails die Anzahl der von U.S. Mail transportierten Briefe. Electronic Mails sind im Internet unzureichend geschützt - sie gleichen eher Postkarten als verschlossenen Briefen. Oftmals kann eine beförderte E-Mail an mehreren Zwischenstationen mitgelesen und gespeichert werden.
Um das gesamte Potential des Internets auszunutzen müssen sich Anwender bei ihrer Kommunikation sicher fühlen. Dies kommt speziell bei finanziellen Transaktionen und bei der Übertragung persönlicher oder geschäftsbezogener Daten zum Tragen.
Viele Nutzer des Internets greifen deshalb zur Selbsthilfe. Die Verschlüsselung von E-Mails mit Programmen wie "Pretty Good Privacy" ist ein wirkungsvoller Schutz gegen unberechtigtes Mitlesen - für manche zu wirkungsvoll. Denn die eingesetzten Algorithmen verhindern auch das Mitlesen durch die Sicherheitsbehörden. Seit mehr als zwei Jahren wird in den USA daher die Frage diskutiert, ob die Verbreitung leistungsfähiger Verschlüsselungsprogramme nicht eine Gefahr für die staatlichen Sicherheitsinteressen darstellt, da auch die organisierte Kriminalität diese Methoden einsetzen kann. In Frankreich [499] und Rußland wurde der Einsatz bestimmter Verschlüsselungsprogramme bereits verboten, in den USA bislang nur deren Export. In Deutschland versucht die Bundesregierung, mit Hilfe der Fernmeldeüberwachungsverordnung das Abhören elektronischer Kommunikation sicherzustellen.
Das überstrapazierte Klischee eines Big Brothers des Staates hat sich von der obrigkeitlichen zu einer privaten und kommerziellen Bedrohung entwickelt. Mit dem Heraufdämmern des elektronischen Zeitalters werden die Einzelheiten unseres privaten und beruflichen Alltags zu allgemein verfüglichen Gut. Nur die Verschlüsselung dieser Daten kann die Privatspähre von neugierigen Augen und Ohren bewahren.
Der am meisten gebräuchliche Einsatz von Verschlüsselungstechnologien ist der Bankbereich, wo Transaktionen, die an Bankomaten getätigt werden, verschlüsselt zur Bankzentrale transportiert werden, um Mißbräuche auszuschließen. Eine andere kryptographische Anwendung des täglichen Lebens sind die GSM-Mobiltelefone, deren Funksignale verschlüsselt übertragen werden.
Verschlüsselung kann aber auch im privaten Bereich verwendet werden, so zum Beispiel um private E-Mails vor unbefugter Kenntnisnahme zu schützen und deren Vertraulichkeit zu erhöhen. In den meisten Bereichen erfüllt die Verschlüsselung von Daten einen Wunsch nach Vertraulichkeit.
Verschlüsselungstechnologien sind die Schlüssel und Schlösser des Informationszeitalters. Sie ermöglichen in der privaten wie auch in der geschäftlichen Internetnutzung vertrauliche Informationen vor neugierigen Augen zu schützen. Da mehr und mehr Private und Geschäftsleute “online” gehen wollen, wird die Verwendung von starken, verläßlichen und leicht zu gebrauchenden Verschlüsselungstechnologien zu einer wichtigen Frage der Online-Sicherheit, ja zur Überlebensfähigkeit des Internets als “global marketplace” an sich.

[499] Nach Art. 17 des französischen Telekommunikationsgesetz (Ergänzung zu Art. 28 des Gesetzes Nr. 90-1170 vom 29. Dezember 1990, im Internet unter http://www.telecom.gouv.fr/english/activ/telecom/nloi17.htm bzw. http://www.dmi.ens.fr/equipes/grecc/Crypto/loi.html) kann Kryptographie zum Zwecke der Authentifizierung und Sicherung der Integrität ohne Einschränkungen eingesetzt werden können. Sobald Kryptographie jedoch auch zum Zwecke des Schutzes der Vertraulichkeit verwendet werden soll, ist eine Zustimmung durch den Premierminister erfolderlich. Die Zustimmung wird aber nur erteilt werden, wenn die die Schlüssel verwaltenden Stellen auch die geheimen Schlüssel hinterlegen und den Behörden gegebenfalls zur Verfügung stellen. Genaueres ergibt sich aus den Dekreten Nr. 98-101 vom 24. Februar 1998 ("Journal Officiel " (JO) vom 25. Februar 1998), Nr. 98-102 vom 24. Februar 1998 ("Journal Officiel" vom 25. Februar 1998), Nr. 98-206 vom 23. März 1998 ("Journal Officiel" vom 25. März 1998) und Nr. 98-207 vom 23. März 1998 ("Journal Officiel" vom 25. März 1998). Weitere Informationen zum Thema im Internet unter http://www.jura.uni-wuerzburg.de/lst/sieber/mitarb/knupfer/dsig/international.htm