Die Weiterentwicklung des Domain Name Systems

In letzter Zeit kam es immer häufiger zu temporären Ausfällen von Teilen [1003] oder sogar der ganzen [1004] “com” Domain. Die Schuld daran wird nicht ganz unberechtigt dem Monopolisten InterNIC in die Schuhe geschoben. Wirft man einen Blick auf die oben erwähnte Eigentümerstruktur dieses Unternehmens und bedenkt man das wirtschaftliche Kapital, das in Homepages in der kommerziellsten aller Top Level Domains gesteckt wurde, kann man das heutige System nur als zumindest leichtsinnig ansehen. Die Erreichbarkeit aller 1.3 Millionen Second Level Domains hängt von einem einzigen Unternehmen ab! Gedanken an eine Reform und Stabilisierung des Systems werden deshalb im Internet schon länger verbreitet.
Fragt man sich, wie eine Reformierung des bestehenden Domain-Name-Systems auszusehen hat, so wird eine Rückkehr zu numerischen Internetadressen und damit zu den Ursprüngen des Internets schon aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit verwehrt sein. Sowohl aus kennzeichenrechtlicher als auch aus der Sicht der Internetnutzer denkbar und notwendig aber wäre, die Zahl der Top-Level-Domains durch neue branchenspezifische Top-Level-Domains zu erweitern.
Die IANA hat im November des Jahres 1996 gemeinsam mit der Internet Society (ISOC) einen Vorstoß unternommen, um die Begrenztheit der zur Verfügung stehenden gTLD zu beenden. Es wurde das Internet International Ad Hoc Committee (IAHC) gegründet das unter anderem von folgenden Organisationen mit Mitarbeitern beschickt wurde:
Ein Monat später wurde ein erster Vorschlag des IAHCs zur Erweiterung der gTLDs im Internet veröffentlicht, der in der “Internetgemeinde” ein reges Interesse hervorrief. So wurde nach Auswertung von ungefähr 4000 Diskussionsbeiträgen [1005] am 4.2.1997 ein Abschlußbericht des IAHCs erstellt. Dieser Bericht wurde anläßlich eines WIPO-Treffens [1006] weiterentwickelt. Von 29.4-1.5.1997 schließlich fand eine weitere Konferenz unter Federführung der International Telecommunication Union (ITU) statt, anläßlich derer ein Memorandum of Understanding [1007] ausgearbeitet und bisher von 170 Organisationen [1008] unterschrieben wurde. Dieses Memorandum of Understanding hat hauptsächlich deklaratorische Bedeutung. Inhaltlich wesentlich weitergehender und zum Verständnis nötig ist der Abschlußbericht des IAHC [1009].

Der Abschlußbericht des IAHC

Schaffung neuer Top Level Domains
Der IAHC-Bericht [1010] beschäftigt sich grundsätzlich nur mit den “internationalen” oder auch generischen Top Level Domains. Zusätzlich zu den bisherigen 3 weltweiten Top Level Domains .com, .org, und .net sollen noch weitere 7 eingeführt werden.
.firm für kommerzielle Unternehmen
.store für Unternehmen, die Waren zum Kauf anbieten
.web für (juristische) Personen mit Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich des WWW
.arts für (juristische) Personen mit Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich der Kultur oder Unterhaltung
.rec für (juristische) Personen mit Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich Erholung oder Unterhaltung
.info für (juristische) Personen im Bereich der Informationsdienstleistungen
.nom für all diejenigen, die eine individuelle oder persönliche Einordnung wünschen [1011]
Der Bericht schlägt auch vor, in Zukunft diese Top Level Domains nicht mehr als “internationale” TLD zu bezeichnen, sondern von “generischen”, abgekürzt - gTLDs - zu sprechen.
Ungeklärt bleibt weiterhin, ob es für eingetragene Marken eine spezielle generische Top Level Domain geben soll oder nicht. Das IAHC geht von 2 unabhängigen Systemen aus:
  1. Für nationale Marken soll unterhalb der nationalen TLD eine Subdomain für registrierte Marken eingerichtet werden. [1012] In Österreich würde es sich voraussichtlich um “.tm.at” handeln.
  2. Für internationale Marken, das heißt Marken, die in einer großen Anzahl von Ländern eingetragen sind, soll eine Registrierung unter der Domain “.tm.int” erfolgen. Die Verwaltung von dieser Marken-Domain soll von einer internationalen Institution, eventuell WIPO oder INTA, erfolgen.
Eine Einigung darüber gibt es aber noch nicht.
Einrichtung von neuen Vergabestellen der neuen TLD
In Zukunft soll ein gemeinsames Organ aller Registrierungsstellen die Koordination derselben gewährleisten. Es wurde bereits die Schaffung dieser Verwaltungsstelle namens CORE (Council of Registrars) in Angriff genommen [1013]. CORE wird nach Schweizer Zivilrecht gegründet und aus einer Auswahl der Registrierungsstellen bestehen.
Diese Registrierungsstellen sollen zur Verwaltung der TLD eingerichtet werden. Die Registrierungsstellen sollen auf weltweiter Basis dem Wettbewerb unterworfen werden, so daß der Registrierende sich seine Registrierungsstelle je nach Preis und Angebot selbst aussuchen kann. Die Anwender sollen auch jederzeit die Möglichkeit haben, die Registrierungsstelle zu wechseln, aber gleichzeitig ihren alten Domain-Namen zu behalten, so daß weltweite Portabilität der DNS Adressen gewährleistet sein soll. [1014] Bis jetzt [1015] sind 85 neue Registrierungsstellen vorgesehen, die alle Adressen innerhalb der neuen Top Level Domains vergeben sollen. [1016] Aus europäischer Sicht erfreulich: Alleine 40 der bisher 85 neuen Registrierungsstellen haben ihren Firmensitz in Europa, 12 davon in Deutschland, keine in Österreich.
Die Kontrolle über die Ausübung der Registrierungstätigkeit soll das Policy Oversight Committee (POC) ausüben. Dessen Mitglieder [1017] werden nach einem bestimmten Schlüssel aus verschiedenen Organisationen (u.a. ISOC, IANA, WIPO) ausgewählt und soll, ähnlich wie das mittlerweile aufgelöste IAHC, die weitere Entwicklung des Domainraumes koordinieren.
Als zusätzliches Instrument der öffentlichen Kontrolle soll ein Policy Advisory Board (PAB) eingerichtet werden, dem staatliche und nichtstaatliche Organisationen, Vertreter der Industrie und im Internet tätiger Organisationen angehören sollen.
Die Koordination der verschiedenen Organisationen soll am Beispiel von Änderungen am gTLD-MoU dargestellt werden:
Die Änderungen werden vom POC vorgeschlagen und bedürfen der Billigung von IANA und ISOC, die zuvor PAB und CORE konsultieren müssen. [1018]
Streitbeilegungsverfahren nach dem IAHC
Es werden neue Anmeldevoraussetzungen für second Level Domains geschaffen. So muß der Bewerber einen Vertreter für die Zwecke des Streitbeilegungsverfahrens benennen und sich verpflichten, im Konfliktfall an einem On-Line-Schlichtungsverfahren und/oder an einem bindenden [1019] Schiedsgerichtsverfahren teilzunehmen [1020]. Ebenfalls muß eine Gerichtsstandsklausel für den Fall von Markenrechtsverletzungen unterzeichnet werden. Dabei ist an den Gerichtsstand des Sitzes der Domainname-Vergabestelle, bei der der Antrag eingereicht wird, gedacht. [1021] Eine materielle Prüfung der Anträge im vorhinein wird es aber noch immer nicht geben. Wie schon oben erwähnt ist es heute in wirtschaftlich vertretbarer Zeit nicht möglich, auf internationaler Basis alle Marken- und Namensrechte zu prüfen. Im Rahmen der WIPO wird aber bereits überlegt, eine internationale Datenbank mit allen registrierten Marken anzulegen. Ein schneller Abgleich mit dieser Datenbank im Zuge der Registrierung einer Domain wäre dann möglich. Der Aufbau solch einer Datenbank wird auch von der EU-Kommission unterstützt. [1022]
Grundsätzlich sollen die neuen generischen TLDs nur von solchen Unternehmen oder Personen genutzt werden, deren Tätigkeit wirklich internationales Format besitzt. Allerdings ist nicht vorgesehen, bei mangelnder internationaler Tätigkeit den Antrag abzuweisen, da der Anmeldestelle prinzipiell keine Prüfungspflichten oder -befugnisse zugewiesen werden soll. Gegen die Eintragung einer Marke oder eines Kennzeichens innerhalb einer gTLD kann daher nicht ihre fehlende internationale Bekanntheit eingewandt werden sondern nur, daß sie mit einer international bekannten Marke identisch oder dieser sehr ähnlich ist.
Im Falle der Verletzung fremder Rechte durch einen angemeldeten oder eingetragenen Domainnamen, findet auf Antrag des Verletzten ein Streitbeilegungsverfahren vor einem der Administrative Domain Name Challenge Panels (ACPs) [1023] statt. Diese Panels werden nach den für die WIPO-Schieds- und Schlichtungsstellen geltenden Regeln errichtet. [1024] Die WIPO geht aber noch weiter. Arpad Bogsch unterzeichnete als Generaldirektor der WIPO eine Deklaration nach der die WIPO die Rolle der Verwaltung des Schlichtungs- und Mediationsmechanismus übernehmen wird, der im neuen Memorandum of Understanding vorgeschlagen wird. [1025]
Diese Schiedsstellen sollen sich aus Experten des Immaterialgüterrechtes sowie der Domainnamen zusammensetzen. Als Grundlage für die Entscheidung der Panels gilt der Grundsatz : “that second level domains which are identical or closely similar to names which are, for the purposes of the Internet, internationally known, and for which demonstrable rights exist, should only be held by, or with the authorization of, the owners of such demonstrable intellectual property rights.”
Die Entscheidung der Panels betrifft nur die Frage, ob bei Zugrundelegen dieses Grundsatzes die second Level Domain zu Recht beansprucht wird. Offen bleibt allerdings noch Auslegung des Ähnlichkeitsgrundsatzes (“identical or closely similar”). Es wurde damit ein engerer Maßstab als im nationalen Markenrecht getroffen, der schon Verwechslungsgefahren (§ 14 MaSchG) ausschließt. Nationale Marken- oder sonstige Immaterialgüterrechte sind von den Entscheidungen nicht betroffen. Domainnamen, die im Widerspruch zu dem Grundsatz vergeben worden sind können für die jeweilige TLD wieder entzogen werden. In Ausnahmefällen kann auf Antrag eines Inhabers eines besonders bekannten Zeichens sogar eine Blockierung aller gTLDs verfügt werden (sogenannte across the board-exclusion). Als global bekannt ist eine Marke anzusehen, wenn sie in mehr als 75 Ländern eingetragen ist oder wenn sonstige Indizien von vergleichbarer Stärke vorliegen.
Die Anträge auf Ausschluß der Vergabe einer Bezeichnung können auch vorsorglich gestellt werden, ohne daß bereits ein Konflikt vorliegt. Falls solch ein Antrag innerhalb von 30 Tagen nach Veröffentlichung der Beantragung oder Eintragung des Domainnamens gestellt wird, wird die Anmeldung grundsätzlich suspendiert, das heißt, der Name darf nicht als Internet Domain Adresse benutzt werden. Der Anmelder des Domainnamens kann sich allerdings mit dem Hinweis auf eigene Rechte verteidigen.
Es wird dem Gang zu Gericht ein ausgeklügeltes System vorgeschalten. Vor allen absolut unberechtigte Domaininhaber und “Domain-Piraten” werden mit diesem System ausgesiebt.
Diese Vorschläge haben aber keine unmittelbaren Auswirkungen auf die schon existierenden TLDs .com, .org und .net. Da der Vertrag der Betrauung der Verwaltung der Domainnamen des InterNIC aber 1998 ausläuft und mit keiner automatischen Verlängerung desselben zu rechnen ist, wird sich dieses Schlichtungssystem mittelfristig auch auf die “alten” TLDs auswirken.

Kritik am Vorschlag des IAHC und andere Vorschläge zur Gestaltung des Domain Rechts

Dieses MoU ist allerdings nicht unbestritten. Zwar liegen bis zum 1. Mai 1997 bereits 57 Unterschriften unter diesem Papier vor, dabei so bedeutende Namen wie die WIPO,ITU, IANA, ISOC, MCI, UUNET und France Telecom [1026], die US-amerikanische Bundesregierung hat aber bereits erkennen lassen, das Memorandum nicht zu unterzeichnen. [1027] Überhaupt fällt auf, daß kein einziger Staat unter den Unterzeichnern zu finden ist. Die US Regierung und die Europäische Kommission haben sich auch beklagt, daß sie nicht direkt in die Arbeit des IAHC einbezogen wurden und bezweifeln die Glaubwürdigkeit des IAHC als internationale “Regierung” des Internets. [1028]
Es gibt einen Kommentar der Kommission der Europäischen Union , der sich generell mit der Verwaltung der generischen Top Level Domains auseinandersetzt. [1029] Inhaltlich wird Kritik an einer fehlenden europäischen Vertretung innerhalb des IAHC geübt, eine längere Konsultationsperiode und eine eigene TLD für Institutionen und Organisationen der EU gefordert. Weiters wird auf das Grünbuch der Telefonnummernsysteme [1030] verwiesen, das sich ebenfalls mit dem Domain-Name-System auseinandersetzt.
Die US-Regierung stellt auch die Legitimation der WIPO das MoU zu unterzeichnen in Frage, die sie die Zustimmung ihrer Mitglieder nicht eingeholt hat. Als Begründung, das Abkommen nicht zu unterzeichnen, gibt die US-Regierung an, daß damit die Tür für eine weltweite Internetregulierung geöffnet würde. So würde zum Beispiel, wenn auch eventuell unbewußt, eine zwischenstaatliche Behörde geschaffen, die Inhaltskontrolle oder Steuersysteme für Internetgeschäfte einführen könnte. [1031]
Strategie zur Bewältigung von Namenskonflikten von Schneider[1032],[1033]
In einer Stellungnahme für das deutsche Bundeswirtschaftsministerium schlägt Schneider eine andere Strategie zur Bewältigung von Namenskonflikten vor. Er meint, daß langfristig die Domain-Vergabe nicht ohne Prüfungsverfahren auskommen können wird. Domains werden - dem Prioritätsprinzip des Markenrechts folgend - in der Reihenfolge ihrer Anmeldung dem Anfordernden zugeteilt. Erhebt ein weiterer Interessent Anspruch auf die Domain, wird diese einer gemeinsamen Verwaltung ("Zwangsverwaltung" bzw. "Sequestration") unterstellt. Nach einer Prüfung der Berechtigung des Anspruches wird die Domain bei einem unberechtigten Anspruch dem ursprünglichen Nutzer, bei dessen fehlender Berechtigung dem neuen Nutzer zugesprochen. Haben beide einen Anspruch auf den Namen, so wird die Domain einer dauernden Sequestration unterstellt.
Dieser Ansatz sei nach Schneider dazu geeignet, Konfliktfälle einer rechtsstaatlichen Lösung zuzuführen, ohne den Namensraum für die Dauer der Auseinandersetzungen über Gebühr zu beschränken.
Zur TLD-Verwaltung in Deutschland meint Schneider, daß diese TLD-Administration durch eine Selbstverwaltungskörperschaft durchgeführt werden solle. Durch einen geeigneten rechtlichen Rahmen (Gesetz oder öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen Bundesregierung und Selbstverwaltungskörperschaft) müßte allerdings sichergestellt werden, daß diese Aufgabe nachvollziehbar, rechtsstaatlich, kostengünstig und dem Gesichtspunkt der Gleichberechtigung folgend wahrgenommen wird
Die Tätigkeit der Selbstverwaltungskörperschaft sollte enger mit den Aufgaben des Bundespatentamtes verschränkt werden. Dies gilt allerdings nicht für die eigentliche Registrierung und technische Verwaltung, sondern vielmehr für die Frage der Rechtsprechungskompetenz. Zur Lösung von Namenskonflikten scheint es - insbesondere unter Berücksichtigung der inhaltlichen Nähe zum Markenrecht - sinnvoll, bei dem BPatA Spruchkörper einzurichten, welche bei Domainkonflikten abschließend zuständig sind.
Diese Ausführungen von Schneider wären sicherlich auch auf die österreichische Domainvergabepraxis anwendbar.
Ein anderer denkbarer Vorschlag wäre die Anwendung der internationalen Klasseneinteilung von Marken und Dienstleistungen auch auf das Domainsystem. Die im Abkommen von Nizza [1034] über die Internationale Klassifikation von Waren und Dienstleistungen für die Eintragung von Marken festgelegten Gruppen [1035], könnten als generische Top Level Domains dienen. So wäre zumindest eine Trennung der unterschiedlichsten Branchen möglich. Wenn sich 2 Unternehmen in der gleichen Branche befinden, und dann die gleiche Marke im Internet benützen, wird der Konflikt beim Patentamt geregelt. Ein DE-NIC-Vertreter bei einem Treffen der EU-Kommission glaubt allerdings, daß das Markenrechtssystem zu komplex wäre, um das DNS-System an dieses anzupassen. Auch das nach dem MoU eingerichtete Policy Oversight Committee glaubt, daß diese Einteilung des Internetnamensraums für den Anwender zu kompliziert wäre und deshalb von den zukünftigen Registrierstellen zurückgewiesen würde. [1036]
Das Policy Oversight Committee meint auch, daß eine Durchnummerierung der gewünschten Domains von den Kräften am Markt nicht angenommen würde. Es besteht ein starker Wille Textelemente hinzuzufügen. [1037]
Kaum zu erwarten steht freilich, daß mit der Einführung neuer internationaler Top-Level-Domains auch die Probleme auf nationaler Ebene gelöst werden. Ein hauptsächlich auf dem österreichischen Markt tätiges Unternehmen wird auch weiterhin bestrebt sein, einen Domain-Namen unter der geographischen Domain "at" zu registrieren. Um diesen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Marke oder geschäftliche Bezeichnung als Domain-Namen zu benutzen, wird es unumgänglich sein, die Top-Level-Domain ".at" weiter aufzuspalten. Ursprünglich war dies auch vorgesehen. So wurden in Österreich die Second Level Domains “or” für Organisationen, “co” für kommerzielle Anbieter, “gv” für Regierungsstellen und “ac” für Server von Universitäten eingerichtet. In letzter Zeit wurde es aber nach Aussagen des Leiters des EDV-Zentrums der Uni Wien, das ja die Verfügungsgewalt über die länderspezifische Domain “at” hat, immer populärer, die Domainnamen nicht unter die jeweilige thematische Domain unterzuordnen, sondern diese gleich unter der internationalen TLD “at” zu registrieren. Der Hauptgrund dafür besteht sicherlich in der größeren Kanalisierungsfunktion (man muß nicht raten, in welcher Sub-Domain sich die gewünschte Domain befindet) aber auch in den billigeren (!!) Kosten, die eine Eintragung unter der “at” TLD gegenüber der “co.at” hervorruft. Hier wäre eine einfache Möglichkeit gegeben, dieser Erscheinung gegenzusteuern. Diese könnten in einem weiteren Schritt durch branchenspezifische und geographische Subdomains ergänzt werden.
Primäres Ziel der Untersuchung war es, die kennzeichenrechtlichen und wettbewerbsrechtlichen Fragestellungen der Benutzung von Domain-Namen herauszuarbeiten. Es hat sich gezeigt, daß die meisten der aus der Praxis bekannten Fälle mit Hilfe des bestehenden rechtlichen Instrumentariums lösen lassen. Als dringlichstes, nicht mit den Mitteln des Rechts, sondern nur durch Änderung des Domain-Name-Systems zu lösendes Problem hat sich die Tatsache erwiesen, daß aus dem Kreis der Inhaber identischer Kennzeichen nur einem einzigen die Möglichkeit offen steht, sein Kennzeichen auch als Domain-Name zu benutzen. Vielen Unternehmen bleibt unter dem geltenden Domain-Name-System die Wahl ihrer Marke oder geschäftlichen Bezeichnung verwehrt, obwohl es sich bei dem Domaininhaber um ein branchenfremdes Unternehmen handelt und eine Verwechslungsgefahr nicht zu befürchten ist.
Es zeigt sich, daß ein und derselbe Name von mehreren Organisationen nachgefragt wurde. Diese Konflikte sind aufgrund der Eindeutigkeit der Domain-Namen nicht lösbar. Die Online-Präsenz ist im kommerziellen Bereich aber so wichtig geworden, daß viele Unternehmen nicht mehr darauf verzichten wollen, ihre Corporate Identity auch im Internet zu bewahren.
Auf die daraus resultierenden Fragen hat auch das IAHC keine passende Antwort gefunden. Die erwogene Erweiterung des Namensraums um 7 neue TLD deaktualisiert das Problem vielleicht, sie löst es aber nicht. Eine eventuelle Lösung wäre eine bei der WIPO eingerichtete Datenbank mit allen registrierten Markennamen, die bei der Registrierung eines Domainnamens einen Datenabgleich durchführt. Wichtig am Abschlußbericht des IAHC hingegen ist die Schaffung des Streitbeilegungsmechanismus. Wie effektiv dieser sein wird, hängt zum großen Teil von der Akzeptanz der Unternehmen ab.

[1003] Web host´s domain nixed again, im Internet unter http://www.news.com/News/Item/0,2C4,2C13485,2C00.html
[1004] Internet jam tip of iceberg? Im Internet unter http://www.news.com/News/Item/0,4,12587,00.html
[1005] Annette Kur, Der Bericht des International Ad Hoc Committee, CR 6/1997, Seite 325;
[1006] 12.-14.2.1997 in Genf
[1007] im Internet unter http://www.gtld-mou.org/gTLD-MoU.html
[1008] Zum Stand der unterzeichnenden Organisationen siehe http://www.itu.int/net-itu/gtld-mou/signat.htm
[1009] im Internet unter http://www.iahc.org/draft-iahc-recommend-00.html
[1010] Aus erster Hand und ins Detail gehend: A. Kur, Der Bericht des International Ad Hoc Committee, CR 6/1997, S. 325 ff
[1011] Im Internet zu finden unter http://iahc.org
[1012] In Frankreich existiert bereits die Domain .tm.fr. Dies soll als Modellfall gelten.
[1013] Im Internet unter http://www.gtld-mou.org/docs/core-mou.htm
[1014] Press Release der International Telecommunication Union vom 1. May 1997, im Internet unter http://www.itu.int/PPI/press/releases/1997/itu-08.htm
[1015] 9.11.97
[1016] Die aktuelle Zahl und die Namen der zugelassenen Registrierstellen ist unter
http://www.gtld-mou.org/docs/reg-results.html abzurufen.
[1017] Der jeweilige Stand der Mitglieder ist unter http://www.gtld-mou.org/docs/ipoc-members.html abzurufen.
[1018] So auch Kur, Vergabe von Domainnamen, CR 6/1997, S 327
[1019] Allerdings entfaltet die Bindung nur gegenüber der Vergabestelle ihre Wirkung. Die Parteien werden dadurch nicht gebunden. Diese Entscheidungen beeiträchtigen somit auch in keiner Weise die Befugnisse nationaler Gerichte oder Behörden zur Behandlung und Entscheidung von Rechtsfragen, die durch die Verwendung von Domainnamen aufgeworfen werden. Fraglich ist allerdings, welche Möglichkeiten zur Korrektur von Panel-Entscheidungen vor einem nationalen Gericht noch bestehen. Denkbar wäre, daß der in einem Panel-Verfahren Unterlegene, dem im eigenen Land ein besseres Recht zusteht, zumindest durchsetzen könnte, daß der obsiegende Domaininhaber im betreffenden Land keine aktive Geschäftstätigkeit entfalten dürfte.
[1020] Näheres zu Verfahren im offenen Brief der WIPO an die Internet Gemeinde. 18. Juni 1997, im Internet unter http://www.wipo.org/eng/internet/domains/openlet.htm
[1021] Kur, Vergabe von Domainnamen, CR 6/1997, S 327
[1022] Walter De Backer, The European Union and the Internet, anläßlich eines Vortrages auf der Internet Engineering Task Force Conference vertritt De Backer die Meinung der EU-Kommission, im Internet unter
http://www.ispo.cec.be/eif/nextgen/EUinet.html
[1023] Näheres zu den ACPs unter http://www.gtld-mou.org/docs/racps.htm
[1024] näheres zum WIPO Arbitration Center im Internet unter http://www.wipo.org/eng/arbit/services/services.htm#institutional
[1025] siehe auch WIPO, Consultative Meeting on Trademarks and Internet Domain Names,Geneva, May 26 to 30, 1997, im Internet unter http://www.wipo.org/eng/internet/domains/tdn/cm/cm_i_4.htm
[1026] List of Signatories and Intended Signatories of the Generic Top Level Domain Memorandum of Understanding, ITU, im Internet http://www.itu.int/net-itu/gtld-mou/signat.htm
[1027] Domain-Name Proposal Hits Storm, Brekke, im Internet unter http://www.wired.com/news/news/politics/story/3524.html
[1028] Domain name reform begins, The Economist, 1.Mai 1997, am Internet http://www.d-comm.com/news/873.html
[1029] Das Dokument, das keine offizielle Dokumentennummer trägt, liegt beim Autor auf.
[1030] Green Paper on a Numbering policy for Telecommunications Services in Europe: Towards a European Numbering Environment., European Commission 1996, COM/96/590, Brüssel, 20. November 1996, S. 23 ff im Internet unter http://www.europa.eu.int/en/record/green/gp9611/index.htm
[1031] U.S. rejects Net name plan, Margie Wylie, im Internet http://www.news.com/News/Item/0,4,10345,00.html?latest
[1032] Im Internet unter http://www.anwalt.de/dnslaw/bmwi9702.htm
[1033] Rechtsanwalt Michael Schneider war einer der Gründer der EUnet Deutschland GmbH.
[1034] im Internet unter http://www.wipo.int/eng/iplex/wo_nic0_.htm
[1035] im Internet unter http://www.naming.com/icclasses.html
[1036] Im Internet unter http://www.gtld-mou.org/docs/notice-97-02.html
[1037] Im Internet unter http://www.gtld-mou.org/docs/notice-97-02.html