Einfluß des Internet auf die Gesellschaft

Martin Bangemann, derzeitig zuständiger EU-Kommissar in Fragen Informationsgesellschaft, meint in einem Interview zur Rolle des Internets im derzeitigen gesellschaftlichen Umbruch:
“Das Internet ist zunächst einmal ein Katalysator und Vermittler von Kontakten zwischen Menschen, Gemeinschaften und Organisationen. Es bietet vielen eine praktische Lösung für Kommunikation und Veröffentlichungen, und wird immer wichtiger für die Wirtschaft. Es ist ganz grundsätzlich ein Eckstein des gesellschaftlichen Umbruchs, den Sie ansprachen. Das Internet ist gleichzeitig sowohl Modell als auch Motor der Konvergenz zwischen Rundfunk, Telekommunikation, Computern und Verlagen und dehnt sich langsam aber sicher aus. Dadurch wird es natürlich als eine Mischung aus Bedrohung und Chance gesehen, und zwar sowohl von Beteiligten, als auch von Regierungen. Wenn wir einen Blick auf das Internet werfen, so wie es sich heute darbietet, so hat es seine Mängel. Die Vielfalt und Anzahl der Inhalte übersteigt häufig unser Aufnahmevermögen, und gleichzeitig benutzen wir es bis jetzt hauptsächlich zur schnelleren Verbreitung hergebrachter Inhalte, die man aus anderen Medien (Bücher, Film, CDs) kennt. Aber wir sollten nicht vergessen, daß das Internet der 90er so gut wie nichts mehr mit dem der 80er Jahre zu tun hat. In ein paar Jahren schon kann es sich erneut vollkommen verändert haben.” [188]
Das Internet verbilligt auch die Nutzung von Computernetzwerken. Das Rechtsinformationssystem des Bundeskanzleramts (RIS) wurde bisher auf Großrechnern betrieben und konnte via Telnet-Verbindung [189] von Berechtigten mittels einer unkomfortablen, textbasierenden Eingabemaske bedient werden. Seit Juni 1997 ist das RIS via Internet [190] zu erreichen, es wurde grafisch aufbereitet, bietet umfangreiche Erklärungen zur Bedienung und kann von jedem Internetbenutzer weltweit gratis genützt werden. Aber nicht nur das: Laut Ministerialrat Hellwig [191], Leiter der Informationstechnologie-Koordination im Bundeskanzleramt, wurde der Betrieb des RIS via Internet sogar billiger, da die meisten alten Großrechner für den Betrieb nicht mehr benötigt werden. Weitere Einsparungen konnten bei der Veröffentlichung des “Österreich-Reports” [192], einer Presseübersicht die vom Bundespressedienst des Bundeskanzleramtes zusammengestellt wird, erzielt werden. Die bis dahin auf postalischen Weg meist an Auslandsösterreicher zugestellte Zeitschrift, ist nunmehr in eine Datenbank umgewandelt worden, deren Abfrage weltweit gratis möglich ist. Dadurch ergibt sich eine Einsparung für die Republik von 5 Millionen Schilling jährlich, da die Portokosten wegfallen.

[188] People first?!, Stefan Krempl im Gespräch mit Martin Bangemann, Telepolis am 19.10.1997, im Internet unter http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1307/1.html
[189] siehe dazu unter 2.3.4 Telnet
[190] unter der Internet-Adresse http://www.ris.bka.gv.at/
[191] anläßlich des Roundtablegespächs “Internet - Intranet” am 13.5.1998 im BKA
[192] im Internet unter http://www.oebericht.bka.gv.at/