Electronic Cash [174]

Um finanzielle Transaktionen sicher am Internet abwickeln zu können, haben die US Kreditkartengiganten Visa und Mastercard eine Initiative mit Hilfe von US High-Tech Unternehmen wie IBM, Microsoft und Netscape gestartet. Das erste Resultat namens Secure Electronic Transactions (SET) [175] liegt bereits vor und könnte zu einem Industriestandard werden. Es handelt sich hierbei um ein Verschlüsselungsprotokoll, mit Hilfe dessen die übertragenen Daten nur Berechtigten zugänglich gemacht werden. Gegenüber der bisherigen Zahlungsweise am Internet, nämlich der Bekanntgabe seiner Kreditkartennummer und der Hoffnung, daß hiervon wirklich nur einmal der ausgemachte Betrag abgebucht wird, ist beim SET-Protokoll gewährleistet, daß der Händler nur die Berechtigung zur Abbuchung von genau dem Wert erhält, dem der Kunde zugestimmt hat. Nach erfolgter Abbuchung kann so kein Mißbrauch stattfinden. So soll Einkaufen am Internet noch sicherer werden als dies in der physischen Welt der Fall ist. [176] Es wurde auch eine Initiative geschaffen, um dieses SET-Protokoll dem Verbraucher bekannt zu machen. [177]
Auch in Asien, speziell in Japan, arbeitet die Wirtschaft an der Entwicklung von sicheren Zahlungsmodalitäten über das Internet. Es wurde eine Technologieplattform namens Secure Electronic Commerce Environment (SECE) geschaffen mit Unternehmen wie Fujitsu, Hitachi und NEC. [178]
In Österreich erfolgte im 4. Mai 1998 [179] die Markteinführung des Internet-Zahlungsmittels “ecash” durch die Bank Austria. [180] Die 40.000 bestehenden Online-Konten der Bank sind seitdem für ecash geeignet. Ecash wurde von der niederländischen Firma Digicash [181] mit den wichtigsten Notenbanken und Kreditinstituten der Welt entwickelt. Das virtuelle Geld, das über ein virtuelles Depot beim Geldinstitut auf den eigenen Rechner geladen wird, ermöglicht sowohl das Bezahlen von Waren im Internet als auch die Überweisung an andere private ecash-Benutzer. Das elektronische Geld wird vollautomatisch “abgehoben”, ohne daß die Bank weiß, wofür es ausgegeben wird. Der Verkäufer wiederum bucht das erhaltene E-Geld direkt auf sein reelles Bankkonto. [182]
Eine große Bedeutung zeichnet sich auch für “intelligente” Scheckkarten ab. Diese, auch als Smart Cards bezeichneten Produkte, beinhalten einen Computerchip und können deshalb gespeicherte Daten verschlüsseln. Nur nach erfolgter Identifikation werden die Daten freigegeben. Diesen Smartcards wird ab 1998 erhöhte Verbreitung vorausgesagt. Angeblich soll für die nächste Version des Betriebssystems Windows 95 von Microsoft eine Tastatur mit Kartenleser obligatorisch sein. [183] Speziell ist hier an die Weiterentwicklung des Quick-Systems, das in jeder Bankomat-Karte vorhanden ist, zu denken: Nach Aufladen der EC-Karte am Bankomaten (oder künftig wahrscheinlich auch direkt übers Internet) können mit der Karte auch kleinere Beträge direkt bezahlt werden. Die weite Verbreitung der EC-Karten und die dahinterstehende Firma Europay wird wohl auch hier für einen breiten Erfolg sorgen. Quick-Zahlungen sind auch für Unternehmen interessant: Im Gegensatz zur Bankomatkasse ist für ein Quick-Terminal keine online Verbindung notwendig und das Disagio [184] von 0,5 Prozent ist ebenfalls günstiger. [185]g: Nachteile: Ein Kartenleser für den PC muß erst gekauft und installiert werden, mangelnde Anonymität. [186]
Auch die Einführung der neuen europäischen Währung Euro könnte die Akzeptanz und Verbreitung vor allem von Smart Cards in Europa fördern. [187] Da die kleinste Notierung von Euro-Banknoten den Wert von rund 70 Schilling (5 Euro) haben soll, wären kleine Beträge optimal zur Zahlung mit elektronischem Geld geeignet.

[174] ausführlich Jaburek/Wölfl, Cyber-Recht, S 117 ff, die unterscheiden zwischen
- Zahlung mit Kreditkarten
-Zahlung mit elektronischen Schecks
und Zahlung mit digitalem Geld
[175] Nähere Informationen zu SET unter http://www.redbooks.ibm.com/SG244978/setbk02.htm
[176] Eine detaillierte Darstellung der Funktionsweise von SET findet sich auch in Jaburek/Wölfl, Cyber-Recht, S 124
[177] Logo program to boost SET, Tim Clark, 18. Juli 1997, Im Internet unter http://www.news.com/News/Item/0,4,12588,00.html
[178] InfoTrends IS Trends - Issue:72, herausgegeben vom Information Society Project Office der EU
[179] Bank Austria Goes Live with DigiCash’s eCash™, im Internet unter http://www.digicash.com/news/releases/ba_live.html
[180] Cyber Money, Sicher bezahlen im Internet, Die Presse, 28.5.1998, S. 30
[181] im Internet unter http://www.digicash.com/
[182] Start frei für das “E-Geld”, Die Presse vom 14.11.1997, S 21
[183] Citizen Gates, Magazin für Computer und Technik (CT) Ausgabe Oktober 1997, Seite 25
[184] Abschlag, um den der Preis od. Kurs hinter dem Nennwert oder der Parität eines Wertpapiers od. einer Geldsorte zurückbleibt. DUDEN - Das Fremdwörterbuch © Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 1995
[185] Quick-Zahlungen sind im Kommen, Die Presse, 28.5.1998, S. 29
[186] Einkaufen in der guten Stube, Der Standard, Mittwoch, 8. April 1998, Seite 201, im Internet unter http://www.derstandard.at/webstandard/internet_direkt/138.htm
[187] E-Money Expected To Wipe Out Cash In Europe, 23/3/1998; Andrew Craig, TechWeb, im Internet unter
http://www.techweb.com/wire/story/TWB19980323S0014