Electronic-mail

Die längste Zeit wurde das Internet hauptsächlich verwendet, um Post zu verschicken. Electronic Mail (kurz: E-Mail) ist der am häufigsten genutzte Dienst im Internet. E-Mail erlaubt es, Daten von einem Benützer an einem anderen zu übertragen. Man tippt einen Text und gibt dann die E-Mail Adresse des Empfängers an, der sich irgendwo auf der Welt befinden kann. Die Nachricht wird dann durch verschiedene Rechner weitergeleitet, bis sie in der Mailbox des Empfängers landet. Sobald er das nächste Mal diese Mailbox abruft, kann er die Nachricht lesen und beantworten. Man kann nicht nur selbst getippten Text übertragen, sondern jede digital vorliegende Information wie beispielsweise Bilder und Sprachaufnahmen. Umfangreiche Manuskripte können binnen Sekunden von einem Kontinent zum anderen versandt werden, ohne daß irgendwelche Portokosten entstehen. Die Texte können im empfangenden Rechner sofort digital weiterverarbeitet werden. Wer zum Beispiel über ein Laptop, ein Modem und ein GSM-Funktelefon verfügt, kann am griechischen Strand sitzen, Arbeiten erledigen und sie von dort sofort zum Wiener Büro schicken, wo sie umgehend weiterverarbeitet werden. Es entfällt das oft lästige Medium “Papier” und die früher notwendige Postversendung von Disketten. Um E-Mail zu nutzen, benötigt man allerdings eine entsprechende Adresse. E-Mail-Adressen bestehen aus zwei Bestandteilen: der Benutzerkennung (meist ein Kürzel des Nachnamens oder die Matrikelnummer ) und dem Namen des benutzten Internetrechners. Diese beiden Teile werden durch einen sog. Klammeraffen (“@”) englisch auch “at” genannt, miteinander verbunden. Die E-Mail - Adresse des Verfassers lautet z.B. a8808875@unet.univie.ac.at. E-Mail verlangt, daß man die Mail-Adresse des Empfängers kennt, und man muß sie in den meisten Fällen von ihm selbst erfragen. Immer mehr Suchmaschinen bieten zwar auch die Suche nach E-Mail Adressen an, es gibt aber kein vollständiges “Telefonbuch fürs Internet”, da niemand verpflichtet ist, sich in einem solchen registrieren zu lassen.
Via E-Mail können auch Verträge abgeschlossen werden. Der potentielle Vertragspartner macht ein Angebot, das hinsichtlich Leistung und Preis hinreichend konkret sein muß und dem Bindungswille zukommt. Dem anderen Vertragspartner steht im Anschluß eine angemessene Frist zu, in der er dieses Angebot annehmen kann. Auch E-Mail wird eine Willenserklärung ausdrücken können. Die recht liberalen Erfordernisse des § 863 ABGB, die auch nicht zu eng gefaßt werden dürfen [33], werden durch eine E-Mail, deren Inhalt sehr ausführlich und detailliert sein kann, in den meisten Fällen erfüllt. Problematisch am Vertragsschluß via Internet ist aber die Feststellung und Sicherheit über die Identität des Vertragspartners. E-Mails bzw. deren Absender können selbst von Laien gefälscht werden. Dies ist auch der Grund, warum der Einsatz von E-Mail im Behörden- und Geschäftsverkehr nicht gleichwertig zur herkömmlichen Briefpost akzeptiert ist. Sobald aber dieses rein technische Problem mittels digitaler Signaturen gelöst ist, bietet E-Mail sogar eine höhere Sicherheit als “snail mail” [34], wie die herkömmliche Briefpost im Internetjargon genannt wird. Die Authentizität der digitalen Signatur wird nämlich von einer Zertifizierungsstelle gewährleistet. [35]

[33] Koziol/Welser, Grundriß des bürgerlichen Rechts, Band I 10, S 87
[34] Schneckenpost
[35] siehe dazu näher unter 4.6, Elektronische Signatur