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Das erste ausformulierte und speziell auf das Internet zugeschnittene Abkommen ist das sogenannte Memorandum of Understanding , das vom IAHC ausgearbeitet wurde. Grob gesagt geht es dabei um die Reform der Internetadressen. Das Problem der Internetadressen hängt sehr eng mit Namens- und Markenrechten zusammen, deren weltweite Exklusivität (jede Adresse kann nur ein Mal vergeben werden) neue juristische Probleme schafft. Eine genaue Erläuterung dieses Abkommens erfolgt im Kapitel 7.2.13Die Weiterentwicklung des Domain Name Systems ” ab Seite 191.
Die Staaten der G7 haben auch erste Initiativen zur Entwicklung des Internets gesetzt. Bereits 1995 fand eine erste Konferenz zum Thema “Information Society” statt. [240] Nach dem 1996 keine Initiativen der G7 gestartet wurden, befaßt man sich nun mit der Forcierung des Elektronischen Handels für Klein- und Mittelbetriebe und hielt aus diesem Grund vom 7. bis 9. April 1997 in Bonn die “First Annual Conference” mit dem Titel “ Global Marketplace for SMEs ” ab. [241] Als Ergebnis dieser Konferenz kann der “Master Plan 1997-1998” gesehen werden, der in den verschiedensten Bereichen einen Zeitplan für die Umsetzung vorgibt. Natürlich ist die Umsetzung dieses Zeitplans nicht zwingend vorgeschrieben. Er zeigt allerdings die Bedeutung, die die G7 Staaten diesem Thema zumessen.
Die OECD[242] beschäftigt sich intensiv mit dem Phänomen des weltweiten Computernetzes Internet. Im November 1997 veranstaltet die OECD in Finnland ebenfalls eine Konferenz zum Thema Electronic Commerce. [243] Die OECD weist darauf hin, daß nationale Initiativen den elektronischen Handel zu stärken zwar zu begrüßen sind. Gleichzeitig ist aber ein international akkordiertes Vorgehen speziell auf den Gebieten Authentizität (Digitale Signaturen) und sichere Zahlungsysteme notwendig. Das Ziel, ein juristisches Rahmenwerk für den E-Commerce zu errichten, soll bei der Folgekonferenz im Oktober 1998 in Ottawa erreicht werden.
Die OECD hat sich auch dem schwelenden, sehr umstrittenen Problem der Kryptographie angenommen und die OECD Crypto Guidelines erstellt [244]. Im Ergebnis wird die freie Wahl der Verschlüsselungssoftware und der unregulierte Gebrauch derselben für alle Bürger propagiert.
Auch die UNO hat sich den neuen Möglichkeiten und Problemen des Internets angenommen. Wie schon erwähnt gibt es eine Initiative der United Nations Commission on International Trade Law (UNCITRAL) bezüglich eines Entwurfs eines Modellgesetzes für den Elektronischen Handel zwischen Kaufleuten. [245] Die World Intellectual Property Organisation (WIPO) entwickelte einen Streitbeilegungsmechanismus bezüglich Domainnamenskonflikten. [246] Weiters wurden unter Ägide der WIPO zwei Verträge (WCT und WPPT) [247] über Immaterialgüterrechte ausgearbeitet, die neue Schutzmechanismen speziell für die Informationsvermittlung via Online-Netzwerken vorsehen.
Die Tätigkeit des Europarats, der mit seiner Datenschutzkonvention [248] bereits ein Bewußtsein der Komplexität der Regelungen auf dem Gebiet der Informationstechnologie zeigte, beschränkt sich heute auf Appelle an die nationalen Gesetzgebungsorgane, die Vorteile der Informationsgesellschaft jedem einzelnen europäischem Bürger zukommen zu lassen [249]. Weiters wurde ein Kolloquium zum Thema “Information Highways: Between Dream and Reality" veranstaltet [250].

[240] Nähere Information dazu im Internet unter http://www.ispo.cec.be/g7/g7main.html
[241] Nähere Informationen im Internet unter http://www.ispo.cec.be/Ecommerce/g7init.html
[242] Die Homepage der OECD befindet sich unter der Adresse: http://www.oecd.org
[243] im Internet unter http://www.oecd.org/dsti/iccp/e-comm/index.htm
[244] im Internet unter http://www.oecd.org/dsti/iccp/crypto_e.html bzw http://www.netsphere.co.at/quintessenz/Netzteil/OECD/index_2.html
[245] UNCITRAL Model Law on Electronic Commerce, im Internet unter http://www.un.or.at/uncitral/texts/electcom/ml-ec.htm
[246] dazu näher unter 7.2.13.1.3 Streitbeilegungsverfahren nach dem IAHC
[247] siehe dazu näher unter 3.3.4 Die WIPO Abkommen zum Urheberrecht und zu verwandten Schutzrechten vom Dezember 1996 (WCT und WPPT)
[248] Convention for the protection of individuals with regard to automatic processing of personal data, Council of Euorpe, ETS No 108 (1981), 19 I.L.M. S 71(1981). Gemäß Art. 22 trat die Datenschutzkonvention mit der Ratifikation von Deutschland, Frankreich, Norwegen, Spanien und Schweden 1985 in Kraft.
[249] Technology Revolution Must Be Democratic, Says Assembl, im Internet unter http://www.coe.fr/cp/97/389a%2897%29.htm
[250] Colloquy Explores Cyber Future, im Internet unter http://www.coe.fr/cp/97/164a%2897%29.htm