Lösung : Digitale Wasserzeichen ?

Zumindest mittelfristig wird es keine technischen Möglichkeiten geben, unerlaubtes Kopieren von Werkstücken, die auf einer WWW-Seite veröffentlicht sind, zu verhindern. Es wäre aber immerhin möglich Verletzungen von Urheberrechten aufzuspüren, wenn in den jeweiligen Dokumenten Daten über Verwendung, Benutzer und Verwertungsart untrennbar eingebaut werden. Genau das leisten die sogenannten digitalen Wasserzeichen.
Spezialprogramme wie z.B. “Digimarc” [778] oder das von Kodak gemeinsam mit Bill Gates´ Corbis entwickelte “FlashPix-System” [779] betten diese Daten so in Dokumente ein, daß möglichst wenig erkennbare Veränderungen auftreten. Diese Wasserzeichen können sowohl sichtbar als auch unsichtbar sein. Sichtbare Zeichen in Bildern, ähnlich wie die Kennungen eines TV-Kanals, weisen den Betrachter sofort auf ein urheberrechtlich geschütztes Dokument hin. Unsichtbare Wasserzeichen lassen sich nur mit der entsprechenden Software des Herstellers erkennen und beweisen im Streitfall die Urheberschaft des Werkes.
Musik, Texte und Bilder enthalten auf diese Weise alle für das Urheberrecht relevanten Daten. Der Benutzer kann sich somit über den rechtlichen Status des Werkes informieren und bei Bedarf den Urheber kontaktieren. Aber auch der Urheber kann, wenn er den Verdacht hegt, daß eines seiner Werke unerlaubt vervielfältigt wurde, erkennen, wer wann unter welchen Bedingungen das Original erhalten hat.
Es gibt auch bereits automatische Suchsysteme, die im gesamten Internet nach Dokumenten mit Wasserzeichen suchen. Sie vergleichen die gefundenen Werke mit Datenbanken, in denen zulässige Verwertungen referenziert sind und können so den Urheber sofort von Urheberrechtsverletzungen verständigen.
Diese Technik hat auch bereits Eingang in den internationalen Rechtsbestand gefunden. So wird die Verpflichtung zum Schutz von sogenannter “Rights Management Information” in den annähernd gleichlautenden Bestimmungen des Art 12 WIPO Copyright Treaty und Art 19 WIPO Performance and Phonograms Treaty festgelegt.
Art 12 WCT Obligations concerning Rights Management Information

(1) Contracting Parties shall provide adequate and effective legal remedies against any person knowingly performing any of the following acts knowing, or with respect to civil remedies having reasonable grounds to know, that it will induce, enable, facilitate or conceal an infringement of any right covered by this Treaty or the Berne Convention:
(i) to remove or alter any electronic rights management information without authority;
(ii) to distribute, import for distribution, broadcast or communicate to the public, without authority, works or copies of works knowing that electronic rights management information has been removed or altered without authority.
(2) As used in this Article, "rights management information” means information which identifies the work, the author of the work, the owner of any right in the work, or information about the terms and conditions of use of the work, and any numbers or codes that represent such information, when any of these items of information is attached to a copy of a work or appears in connection with the communication of a work to the public.
Bei Rights Management Information handelt es sich zum Beispiel um die eben erwähnten digitalen Wasserzeichen oder allgemeiner gesagt um dem elektronischen Dokument beigefügter Information, die zum Beispiel nähere Information zu dem Werk, dem Rechteinhaber und den Nutzungsbedingungen beinhaltet. Verboten ist das Ändern oder Entfernen solcher zusätzlicher Informationen und das Verbreiten solcher Werke, bei denen der Verbreiter vom Fehlen solcher Information weiß. Die erwähnten Vorschriften enthalten allerdings keine Verpflichtung an die Vertragsstaaten zur Einführung solcher Rights Management Information.
Wie schon oben [780] ausgeführt, enthält der Entwurf der neuen EU-Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft auch Bestimmungen, die die verpflichtende Umsetzung der in den WIPO-Verträgen festgelegten Schutzmechanismen für alle Mitgliedsstaaten enthalten. Abzuwarten bleibt einerseits die Annahme des Richtlinienentwurfs, andererseits die Umsetzung der WIPO-Verträge in den nicht-europäischen Staaten der Welt.

[778] im Internet unter http://www.digimarc.com/
[779] Information über FlashPix, im Internet unter http://www.kodak.com/US/en/drg/productsTechnologies/prodTechFlashPix.shtml
[780] unter 3.3.6.8.3 Kapitel III: Schutz technischer Sicherungsmaßnahmen (Art 6 und 7)