Wie ist der Abruf von Daten aus dem Internet einzuordnen?

Nachdem der Schutz des Urheberrechts zwar schon mit der Schaffung des Werks entsteht, dieser sich aber erst mit der Einordnung unter eine der Verwertungsarten wirtschaftlich umsetzen läßt, ist diese Subsumtion von grundlegender Bedeutung.
Die EU sieht die Problemstellung wie folgt: Unter den Bedingungen der Informationsgesellschaft gibt es neben den herkömmlichen Formen der Vervielfältigung (Herstellung einer materiellen Kopie) eine Vielzahl von neuen Formen der Vervielfältigung von Werken und anderen geschützten Leistungen, wie z.B. das Scannen eines gedruckten Werks, das Laden und/oder Speichern von digitalisiertem Material in einen Computerspeicher oder ein elektronisches System bzw. Gerät. Vervielfältigungen können auch beiläufig und ephemer beim normalen Betrieb eines elektronischen Systems auftreten, so z.B. bei der Übertragung von Material über ein Netz, beispielsweise das Internet. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit solche neuen Vervielfältigungsakte vom herkömmlichen Vervielfältigungsrecht erfaßt werden, das noch immer im wesentlichen auf der herkömmlichen Vorstellung von auf Papier, Magnetband u.ä. hergestellten Kopien eines gedruckten Werks, eines Tonträgers, einer Fernsehsendung ausgeht. Wird jedoch geschütztes Material in eine elektronische Form umgewandelt und digital übertragen, kann es wesentlich einfacher durch Vervielfältigung genutzt werden, und zwar sowohl in qualitativer Hinsicht (insbesondere Einfachheit, Geschwindigkeit und Qualität der Vervielfältigung des Materials) als auch in quantitativer Beziehung (Verwertung von geschütztem Material in großem Maßstab durch eine breite Öffentlichkeit). Das herkömmliche Vervielfältigungsrecht und seine gerechtfertigten Ausnahmen müssen daher neu bewertet und an das neue Umfeld angepaßt werden, soweit dies für erforderlich gehalten wird, um ein eindeutiges und angemessenes Schutzniveau sicher zu stellen. [670]
Die Verwertungsrechte können in zwei Kategorien eingeteilt werden:
1) Werkverwertung in körperlicher Form, dazu zählen das Vervielfältigungsrecht, das Verbreitungsrecht und das Ausstellungsrecht
2) Werkverwertung in unkörperlicher Form, dazu gehören das Recht der öffentlichen Wiedergabe, das Vortrags-, Aufführungs- und Vorführungsrecht, das Senderecht, das Recht der Wiedergabe durch Bild- und Tonträger und das Recht der Wiedergabe von Funksendungen.
Im österreichischen Recht erfolgt diese Zweiteilung nicht ausdrücklich im Gesetzestext, sie ist aber in der Lehre anerkannt. [671] Im deutschen Urheberrecht wird zwischen körperlicher und unkörperlicher Werkverwertung ausdrücklich unterschieden (§ 15 dUrhG).

[670] Initiativen zum Grünbuch über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte in der Informationsgesellschaft, Kom (96) 568, Kapitel 2.1
[671] vgl. statt aller Walter, Werkverwertung in körperlicher Form (Teil I), MR 1990, S 112